telc Deutsch C1 Allgemein Leseverstehen Teil 2 im Prüfungsformat: Selektives Verstehen: 6 Fragen, Absätze a–e. Interaktive Übungen mit Lösungen und Übersetzungen.
Im Prüfungsformat: Selektives Verstehen: 6 Fragen, Absätze a–e.
Die ersten drei Übungen dieses Teils sind ohne Anmeldung kostenlos. Hier ihr Aufgabentext ohne Lösungen; Lösungen und Erklärungen zeigt die Übung nach dem Prüfen.
Die Autos heißen „Mia“, „Stromos“ oder „Think“. Nischenanbieter drängen mit rein batteriebetriebenen Kleinstfahrzeugen auf den deutschen Markt. An Forschungsinstituten und Großkonzernen werden immer noch Prototypen getestet, neue Fahrzeugtechnologien erprobt. Mehrere Hersteller bieten bereits Elektro-Kleinfahrzeuge zum Kauf an. Mit dem Tesla ist sogar schon ein Sportwagen erhältlich. Wenn ein Hersteller mit einer Kleinserie an den Markt geht, bedeutet das noch nicht, dass er das in der Qualität, in der Stückzahl und zu Preisen tun kann, die wir ansonsten gewohnt sind. Richtig und wichtig ist, dass dadurch Elektromobilität erstmalig erfahrbar wird. Vom aktuellen Entwicklungsstatus zu einer wirklichen Serienproduktion ist es noch ein erheblicher Entwicklungsschritt. Die Randbedingungen dafür waren noch nie so günstig wie heute. Heute zwingen uns die Treibstoffpreise, die Umweltsituation und die verfügbaren Energieressourcen dazu, stärker an neue Fahrzeuggenerationen heranzugehen. Mit unserer heutigen Mobilität haben wir einen sehr hohen Standard erreicht. Jeder kann mit seinem Auto morgens zum Brötchenholen fahren, unmittelbar danach eine Strecke von 800 oder 1000 Kilometern zurücklegen und dabei nur ein oder zweimal tanken. Der Besitz eines Autos ist nach wie vor ein hohes Gut. Es wird aber in den nächsten zwanzig Jahren einen Paradigmenwechsel geben. Gerade die junge Generation wird nicht unbedingt ein Auto besitzen wollen, aber trotzdem mobil sein. Man kann die Strecken, die man täglich zurücklegt, ja auch in einem Auto bewältigen, das man sich mit anderen Fahrern teilt. Für die Urlaubsreise leiht man sich dann entweder ein ganz anderes Auto oder man reist von vornherein mit Bus, Bahn oder Flugzeug.
Forscher befassen sich sowohl mit der technologischen Seite von Elektrofahrzeugen als auch mit der Frage, wie der elektromobile Verkehr der Zukunft aussieht. Für das letztgenannte Forschungsfeld steht die Modellregion Bremen-Oldenburg, deren Forschung vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen koordiniert wird. Untersucht werden beispielsweise CarSharing-Konzepte in Verbindung mit Elektroautos. Wissenschaftler arbeiten dabei an folgendem Phänomen: Von den in bundesdeutschen City-Bereichen vorhandenen Pkws sind im Schnitt lediglich zehn Prozent in Bewegung. 90 Prozent stehen geparkt am Straßenrand und könnten anderweitig genutzt werden.
Etablierte Automobilkonzerne testen in Deutschland ihre ersten Elektromobile gemeinsam mit großen Energieversorgern. Denn die Fahrzeuge selbst sind zwar emissionsfrei, nicht aber die Stromerzeugung. Man geht dabei auch der Frage nach, welcher Strommix für Elektrofahrzeuge ideal wäre. Aus umwelttechnischer Sicht ist es am sinnvollsten, wenn der Fahrstrom aus erneuerbaren Quellen stammt. Aber selbst wenn man sich den Strom noch aus anderen Quellen nimmt, entsteht gegenüber fossilen Brennstoffen im Elektroauto noch ein CO2-Vorteil. Wenn es gelingt, die Batterietechnik so weit zu entwickeln, dass der erzeugte Strom unmittelbar gespeichert werden kann, entsteht der kürzeste Weg von der Erzeugung bis zum Rad und damit die beste Wirkungsgradkette. Die derzeit verfügbare Akkutechnologie limitiert die Reichweite bisher realisierter Elektrofahrzeuge, birgt jedoch noch Potenzial. Die Batterie, die derzeit 120 Kilometer schafft, wird auf 250 Kilometer verbessert werden können. Daneben laufen Versuche, die Materialien in den einzelnen Zellen grundlegend zu verändern. Dabei geht es um die elektrochemische Funktionsweise der Batterie. Bei Laborversuchen konnten bereits höhere Energiedichten als bisher erreicht werden. Bis diese neuen Konzepte aber marktverfügbar sind, werden nach vorsichtigen Schätzungen noch einmal zehn Jahre vergehen.
Das Fraunhofer-Institut hat ein sehr sportliches Fahrzeug als Testplattform gewählt - das „Artega“, das seiner äußeren Form nach einem klassischen Sportwagen ähnelt. Grundsätzlich sollte aber ein Fahrzeug je nach Anwendung entwickelt werden. Viele Firmen nehmen zunächst ein bestehendes Auto und rüsten dieses elektrisch um. Das ist keine langfristige Lösung, trotzdem ist es richtig zu sagen: Lasst uns sofort anfangen und nicht erst in deutscher Gründlichkeit einige Jahre nur konstruieren und überlegen, was eigentlich herauskommen könnte. Künftige Elektrofahrzeuge werden aber nicht mehr viel mit den Autos zu tun haben, die wir heute kennen. Es stellt sich demnach die Frage, wie Elektrofahrzeuge der Zukunft aussehen. Heutige Elektrofahrzeuge haben meist einen zentralen Elektromotor, der zwei von vier Rädern antreibt. Idealerweise lassen sich alle vier Räder einzeln gezielt beschleunigen oder abbremsen, wodurch die Sicherheit und Fahrdynamik erhöht würde. Möglich macht das der Radnabenmotor: Er erlaubt beispielsweise einen völlig neuen Fahrzeugaufbau, weil dadurch Platz in der Fahrzeugmitte frei wird.
Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die Entwicklung von Elektroautos in anderen Ländern. In Fernost und Amerika geht man sehr pragmatisch an das Thema Elektromobilität heran. Einzelne Firmen haben in der Batterietechnik derzeit die Nase vorne. In Deutschland werden aber gerade die Kräfte gebündelt. Ich bin überzeugt, dass wir den Rückstand in kurzer Zeit aufholen können. Dazu müssen wir aber sehr konsequent vorgehen. Dass wir Autos und Elektroantriebe bauen können, hat Deutschland in den letzten zehn Jahren gezeigt. Aber das Thema Batterien ist stark vernachlässigt worden bis hin zum Nachwuchs: Zahlreiche Lehrstühle für Elektrochemie mussten in den vergangenen zwanzig Jahren schließen. Dennoch gehen Experten einhellig davon aus, dass bis zum Jahr 2020 über eine Million Elektroautos in Deutschland zugelassen sein werden.
Staufen im Breisgau ist eine kleine beschauliche Stadt am Fuße des Schwarzwalds. 7800 Menschen leben hier, wo die Welt noch in Ordnung ist. Genauer gesagt: Wo die Welt noch in Ordnung war. Seit dem letzten Herbst jedoch steht Staufen nicht nur im Mittelpunkt des lokalen Medieninteresses, sondern auch der Wissenschaft. Was ist passiert? Ausgangspunkt war – wenn man so will – umweltfreundliches Denken. Man wollte das historische Rathaus mit klimafreundlicher Erdwärme beheizen. Eine österreichische Firma wurde engagiert, sieben Sonden wurden in den Grund unter dem Rathaus getrieben, 140 Meter tief. Kurz danach zeigten sich erste Risse in dem historischen Gebäude. Noch war man nicht wirklich beunruhigt. Noch sprach Bürgermeister Michael Benitz von „kosmetischen Schäden“. „Am Anfang waren es noch Bewegungen im Millimeter-Bereich“, erzählt er. Doch dabei blieb es nicht. Aus Millimetern wurden Zentimeter und aus den kosmetischen Schäden eine Katastrophe. Dieses Wort benutzt Bürgermeister Benitz jedenfalls, wenn er über die unheimlichen Vorgänge in seiner Stadt spricht. Die Risse im Rathaus begannen zu wachsen, auf andere Häuser überzugreifen, immer länger und immer tiefer zu werden. Nach nur einem Jahr sind mehr als hundert Häuser von Rissen durchzogen. Und sie sind mitunter so tief, dass man hineingreifen kann. Unter Staufen brodelt etwas. Die gesamte Stadt hat sich angehoben. Und das in Dimensionen, die für geologische Verhältnisse enorm sind. Es geht um mehrere Zentimeter pro Monat.
Was geht da vor sich? Geologen wurden zu Rate gezogen. Sie sollten klären, ob - und wenn ja wie – die rätselhaften Risse durch die Bohrungen verursacht wurden. Wissenschaftler von der TU Darmstadt haben eine Theorie. Ingo Sass, Ingenieurgeologe an der TU Darmstadt und Experte für Geothermie-Bohrungen, vermutet im Gespräch mit Spiegel Online, dass folgendes passiert ist: „Man hat am Rathaus losgebohrt, durchstieß die Gips-Keuper-Schicht und stieß darunter auf den Grundwasserleiter, in dem Wasser unter hohem Druck steht.“ Keuper ist ein Anhydrit, ein Kalziumsulfat. Kommt es mit Wasser in Kontakt, entsteht Gips. Und der dehnt sich aus. Als die Grundwasserschicht unter dem Keuper angebohrt wurde, schoss das Wasser wie bei einem Geysir durch die Bohrung hoch und kam mit dem Anhydrit in Kontakt. Dadurch kam die chemische Reaktion in Gang. Bis zu 60 Prozent kann das Gestein im Untergrund bei diesem Prozess an Volumen zunehmen. Anwohner und Gastronomen sind verzweifelt. Letztere geben ihr Bestes, den unheimlichen Anblick vor den Gästen zu verbergen – was schwerfällt, denn vom Gastraum bis zur Toilette zieht sich die Zerstörung.
Am schlimmsten steht es um das Rathaus. Statiker prüfen derzeit, wie sicher es überhaupt noch ist, die Gebäude zu betreten. Was tun? Eine Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt erscheint sinnlos, denn es heißt, dass die Anhebung noch weitergehen wird. Um bis zu zwei Meter, so erzählt eine Anwohnerin. Da erscheint die Option, das Haus abzureißen, abzuwarten und neu aufzubauen noch am sinnvollsten. Sass bestätigt: „Das kann noch Jahre so weitergehen je nachdem, wie schnell sich das Wasser in der Keuper-Schicht bewegt.“ Er befürchtet gar, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Die Gipsschicht könnte sich im Wasser teilweise wieder auflösen, Hohlräume würden unter der Stadt entstehen. „Ich kann nicht ausschließen, dass Gefahr im Verzug ist.“ Denn dann könnte es mitten im Stadtgebiet zu unerwarteten Einstürzen kommen. „Es muss dringend etwas getan werden“, sagt Sass. Der Wasserzutritt in den Gips-Keuper muss unterbunden werden. Aber das wird kosten.
Doch wer zahlt? Sind wirklich die Erdwärmebohrungen der Grund für die ganze Misere? Hat der Bauingenieur schlecht geplant, die Bohrfirma unsauber gearbeitet? Muss die Stadt als Bauherr für die Schäden haften? Aus dem Naturspektakel ist mittlerweile ein Justizspektakel geworden. Mehrere Bewohner und Gewerbetreibende haben die Stadt verklagt. Doch in einem Schreiben hat Bürgermeister Benitz jegliche Haftung abgelehnt, wie Rechtsanwalt Mirko Benesch, der die Klage gegen die Stadt führt, Spiegel Online bestätigte. Die Eigentümer seien für ihren Schaden selbst verantwortlich, schrieb Benitz. Solange die Schuldfrage nicht geklärt ist, zahlen die Versicherer nicht, gibt es keinen Schadensersatz. Ein Gutachten wurde bereits in Auftrag gegeben, um Klarheit zu bringen. Geotechniker der Stuttgarter Materialprüfungsanstalt maßen Temperaturprofile in den Bohrlöchern und ermittelten die Vertikalbewegungen an 30 Messpunkten in der Innenstadt. Am Ende gab es dennoch keine Klarheit: Die Bohrungen könnten schuld an allem sein. Oder auch nicht, denn auch natürliche Ursachen sind denkbar. „Staufen ist tektonisch aktives Gebiet“, sagt Sass. „Natürlich ist es möglich, dass Schollen sich tektonisch aneinander bewegen, wodurch sich die Wasserwege geändert haben könnten und so die Quellreaktion in Gang kam“. Nur sehr wahrscheinlich ist das seiner Meinung nach nicht.
Die zeitliche Übereinstimmung der Vorgänge mit den Bohrungen ist ein starkes Indiz, das gegen natürliche Ursachen spricht. Wieso ausgerechnet jetzt diese seltsame Anhebung, so kurz nach den Bohrungen? Viele Anwohner glauben nicht an theoretisch mögliche natürliche geologische Verschiebungen. Das Risiko war jedenfalls vor der Bohrung bekannt. Vor Bohrbeginn muss eine Einzelfallprüfung stattgefunden haben, denn für die Genehmigung einer Geothermie-Bohrung machen Behörden strenge Auflagen. Im „Leitfaden für die Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden“ des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau werden Gebiete nach Risikozonen klassifiziert. Dort heißt es auf Seite 15: Bei „Gebieten mit ungeklärten und räumlich eng wechselnden Untergrundverhältnissen - hierzu zählen die Randschollen zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald mit unterschiedlichen Schichtfolgen und Gesteinen im Untergrund“ seien Erdwärmesonden nur nach Einzelfallprüfung möglich. Zudem sei laut Sass anhand geologischer Karten vorher bekannt gewesen, dass eine Keuper-Schicht unter Staufen lag. Nicht die Erdwärmebohrung an sich sei das Problem, so Sass. Es sei einfach sehr riskant gewesen, hier zu bohren. So geht das Schauspiel in Staufen zunächst weiter. Die Schäden haben bereits jetzt einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen, die Gutachten immerhin einen fünfstelligen Betrag. Wer schuld an all dem hat, ist noch nicht klar. Klar aber ist: Den Grund unter Staufen wieder sicher zu bekommen, wird teuer. Sehr teuer.
Ursprüngliche Steinzeiternährung und künstlich angereichertes Functional Food, extrem hochwertiges Fleisch und fleischloses Essen, High-Carb und Low-Carb, Körnerdiät und Beikost, laktose- und glutenfreie Kost - das Angebot an Ernährungsstilen hält für jeden Geschmack etwas bereit. Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Flexitarier und Pescetarier, sie alle schwören auf ihre Art zu essen. Die einzig artgerechte Ernährung des Menschen? Die Paleo-Diät mit viel Gemüse, Fleisch und Obst, ohne Getreide und ohne Hülsenfrüchte. Der Schlüssel zu einem gesunden und beschwingten Leben? Rohkost mit natürlichen, pflanzlichen Lebensmitteln, die unter 42°C verarbeitet, das heißt weder gekocht noch gebraten, gedampft oder frittiert wurden. Menschliche Ernährung ohne Tiersterben und tierisches Leid? Beim Vegetarismus und Veganismus sollen die Essgewohnheiten eine bewusste Lebenshaltung zum Vorteil von Menschen, Tier und Umwelt spiegeln. Wem das Durchhaltevermögen für den völligen Verzicht auf tierische Produkte fehlt, darf sich als Flexitarier bezeichnen: Fleisch ja, aber selten und wenn, dann Bio. Pescetarier verzichten auf den Verzehr gleichwarmer Tiere. Dafür landet öfters Fisch auf dem Teller, was der Gesundheit zuträglich sein soll – dem Zustand der überfischten Meere wohl weniger.
Experten sprechen von einer Pluralisierung der Ernährungsstile. Für die Wahl einer bestimmten Ernährungsform scheinen vielfältige Gründe ausschlaggebend zu sein. Manchen Menschen gehe es in erster Linie um ihre Gesundheit, wie etwa beim Verzicht auf Laktose, Gluten oder tierische Fette. Für andere stehen Motive wie nachhaltiger Umgang mit der Natur oder der Tierschutz im Vordergrund. Ernährungswissenschaftler sind jedoch überzeugt, dass es häufig auch um Selbstinszenierung und Zugehörigkeit gehe. In einer Welt, die vom Verlust tradierter Ordnungssysteme gekennzeichnet sei, komme der Suche nach Identität eine besondere Bedeutung zu. Nun habe Identität viele Facetten, zum Teil geprägt von der Herkunft und dem familiären Hintergrund, die man nur schwer ändern könne. Sein Konsumverhalten könne man hingegen relativ leicht ändern, und sich dadurch auch von anderen abgrenzen. Somit komme der Ernährung, die ja auch zum Konsum gehöre, eine identitätsstiftende Rolle zu.
Stehen alternative Ernährungsstile tatsächlich für Selbstbestimmung, oder sind manche ihrer Anhänger nur einfältige Opfer geschickt vermarkteter Trends? So sind etwa im letzten Jahr unzählige neue Kochbücher mit veganen Rezepten erschienen, ist der Umsatz für Fleischersatz und pflanzliche Aufstriche in Deutschland um ein Drittel gestiegen. Pikant ist dabei, dass diese veganen Produkte zum Teil von Fleisch- und Wurstproduzenten vertrieben werden, die darin ein willkommenes zusätzliches Marktsegment erkennen. Wiegt hier nicht ebenso wie bei anderen Produkten das wirtschaftliche Interesse schwerer als der ideologische Überbau? Laufen viele der Körnerfresser oder kulinarischen Extremisten nur Trends hinterher, ohne zu verstehen, worum es eigentlich geht?
Denn etwas haben die zahlreichen trendigen Ernährungsstile gemeinsam: Sie sind nicht billig. Identitätsfindung über das Essen funktioniert nur für gut gestellte Bevölkerungsschichten. Früher war es ein Zeichen von Wohlstand, wenn man sich Fleisch auf dem Teller leisten konnte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich der Fleischkonsum in den Industriestaaten verdreifacht, Fleisch ist heute auch für ärmere Schichten verfügbar und erschwinglich. In diesem Überfluss grenzt man sich nicht durch wahllosen Konsum, sondern durch Verzicht oder bewusste Auslese von der Mehrheit ab. Das erscheint nahezu zynisch, wenn man bedenkt, dass für viele Menschen auf der Welt der Kampf um irgendetwas Essbares immer noch zum Alltag gehört.
Nun ist von einem ethischen Standpunkt aus die Kritik an maßlosem Fleischkonsum ja durchaus nachvollziehbar. Ebenso ist nachhaltige Landwirtschaft im Sinne eines respektvollen Umgangs mit den Ressourcen der Welt zu befürworten. Und selbst wenn man die Moral beiseitelässt: Mit der eigenen Gesundheit lässt sich der überlegte Konsum von Lebensmitteln auch von einem ganz eigennützigen Standpunkt aus begründen. Andererseits könnte die intensive Beschäftigung mit der eigenen Ernährung in extremen Fällen zwanghafte Züge annehmen: Manche beschreiben bereits das neue Krankheitsbild der Orthorexia nervosa, eine Art der Essstörung, bei der die Betroffenen ein krankhaftes Verlangen danach hätten, sich möglichst „gesund“ zu ernähren. Und wenn Ernährung zum eigentlichen Sinn des Lebens, gar zu einer Ideologie wird, könnte sie zu einer ganz ungesunden Ausgrenzung Andersdenkender führen.