telc C1 Allgemein Leseverstehen Teil 1

telc Deutsch C1 Allgemein Leseverstehen Teil 1 im Prüfungsformat: Textrekonstruktion: 6 Lücken, 8 Sätze. Interaktive Übungen mit Lösungen und Übersetzungen.

Format: telc C1 Allgemein Lesen Teil 1

Im Prüfungsformat: Textrekonstruktion: 6 Lücken, 8 Sätze.

  • Auf LexDeutsch: 27 Übungen, die ersten drei ohne Anmeldung.

Beispielaufgaben

Die ersten drei Übungen dieses Teils sind ohne Anmeldung kostenlos. Hier ihr Aufgabentext ohne Lösungen; Lösungen und Erklärungen zeigt die Übung nach dem Prüfen.

Eine Box verändert die Welt

Eine Box verändert die Welt

Beispiel (0): Smartphones aus China, T-Shirts aus Bangladesch, Bananen aus Nicaragua, Kaffee aus Äthiopien oder Wein aus Neuseeland.

Eine gewellte Stahlbox, zwölf Meter lang, drei Meter hoch und genauso breit. Sie ist zum greifbaren Symbol der Globalisierung geworden. Millionen von Containern kreuzen auf immer größeren Schiffen auf den Weltmeeren und schaffen Produkte von A nach B: (0) … Der Container hat das Transportwesen auf See und an Land revolutioniert. Er hat den globalen Warentransport enorm vereinfacht und ist Herzstück der modernen Logistik. Bis in die 50er Jahre war es üblich, Waren einzeln zu transportieren oder sie in Säcke oder Kisten zu verladen. 1954 fuhr ein Frachtschiff mit dem Namen „Warrior“ von Brooklyn nach Bremerhaven. An Bord befanden sich 5000 Tonnen Lebensmittel, Haushaltswaren und Post, verteilt auf 194.582 Fässer, Kisten und Säcke. Jedes Stück war in Brooklyn per Hand von einem LKW oder einem Zugwaggon in ein Warenhaus am Hafen und von dort an Bord geschleppt worden, um es in den Tiefen des Lagerraums zu verstauen. (1) … Immer wieder passierten nämlich in den großen Häfen der Welt schwere Unfälle. Es dauerte zehn Tage, bis die „Warrior“ beladen, und ebenso lange, bis sie in Bremerhaven wieder entladen war - genauso lange, wie die Überfahrt dauerte. Zwar hatte es bereits seit Jahrzehnten Bemühungen gegeben, den Transport von Gütern effizienter zu gestalten. (2) … Erst einem US-amerikanischen Unternehmer gelang es, gemeinsam mit der Marine die Idee einer universellen Transportbox durchzusetzen.

Am 26. April 1956 schipperte Malcolm McLean mit einem umgebauten Tanker von Port Newark Richtung Texas. An Bord waren 56 Container. (3) … Diese 40-Fuß-Container sind noch heute täglich in Gebrauch. Dass McLean erfolgreich war, wo andere vor ihm versagt hatten, lag auch an dem mächtigen Kunden an seiner Seite, dem amerikanischen Militär. (4) … McLean überzeugte schließlich die Betreiber des Hafens von New York, einen eigenen Containerterminal einzurichten. Heute wäre ein Containerterminal für einen Hafenarbeiter aus den 1960er Jahren nicht wiederzuerkennen. Was damals in mehreren Tagen in Kisten und Fässern auf die „Warrior“ gebracht wurde, wird heute in ein paar Stunden verladen. Heute reisen rund 90 Prozent der Güter, die über die Meere verschifft werden, in Containern. (5) … Der Container reduzierte die Transportkosten von Gütern auf einen Bruchteil und brachte die weltweiten Warenströme zwischen Europa, Asien und Amerika zum Fließen. (6) … Heute macht er ungefähr die Hälfte aus. Ohne Container wäre der globalisierte Warenfluss undenkbar. Singapur, einer der größten Häfen der Welt, war dem Container so dankbar, dass dieser sogar eine Banknote zieren durfte.

Sätze

  • a) Die Größe, die er für seine Transportbehälter gewählt hatte, wurde zum Standard.
  • b) Dieses erhoffte sich von den Containern logistische Verbesserungen in der Sicherung des Nachschubs.
  • c) Doch sie waren am Streit über die Abmessungen der Container und an streikenden Hafenarbeitern gescheitert.
  • d) Es sollte genau dieser Umstand sein, dem sie in der Folge ihre Beschäftigung verdanken würden.
  • e) Für die Hafenarbeiter war das nicht nur Schwerstarbeit, sondern lebensgefährlich.
  • f) Gesteuert und auf ihrer Reise verfolgt werden diese dabei von Computern und globalen Logistiksystemen.
  • g) Handelsrechtliche Überlegungen dieser Art konnten ihren Siegeszug nicht aufhalten.
  • h) In den 1960er Jahren betrug der Warenhandel weniger als 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Satzzeichen, mächtige Werkzeuge

Satzzeichen, mächtige Werkzeuge

Beispiel (0): Als Victor Hugo 1862 im Urlaub weilte und neugierig war, wie sich sein Roman Die Elenden verkauft, ließ er seinem Verleger ein schlichtes „?“ kabeln.

Jeder Smartphonebesitzer weiß, dass ein Semikolon und eine Klammer Freundschaften retten können. Braucht es doch nur diese zwei Symbole, und eine Beleidigung wird zum Witz ;) Selbst mit bloßen Satzzeichen lassen sich mitunter noch ganze Konversationen gestalten. (0) … Wenig später erhielt er die ebenso knappe wie präzise Antwort: „!“

Legende oder nicht, wenn man sich die den Satzzeichen innewohnende Gestaltungskraft anschaut und sich vergegenwärtigt, dass täglich Tausende Therapeuten nur damit beschäftigt sind, zwischen Partnern zu dolmetschen, ist es doch rätselhaft, dass der Mensch nach Erfindung der Schrift noch Jahrhunderte brauchte, um diese Strukturelemente zu entwickeln.

Als Ur-Satzzeichen gelten die Markierungen in einem Text auf der sogenannten Mescha-Stele aus dem 9. Jahrhundert vor Christus. (1) … Dass es damals schon Satzzeichen gab, heißt aber nicht, dass sie auch allgemein Verwendung fanden. Werke der griechischen und lateinischen Dichter und Redner sind aufgezeichnet in der sogenannten scriptio continua, das heißt in einer Schreibweise ohne Worttrennung.

(2) … Experten erklären das so: In jener ersten Phase war Schrift primär eine Erinnerungsstütze für den professionellen Vortrag. Die Notwendigkeit, sie für andere möglichst einfach lesbar zu machen, bestand nicht.

(3) … Spätestens die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg läutete dann die zweite große Phase ein. Text war nicht mehr primär gedacht zum Vortrag, sondern für einen stummen Leser. Damit entwickelte sich ein neues Verhältnis zur Sprache. Schrift wurde vom Interpretationsgegenstand zum möglichst präzisen Informationsspeicher. Es vollzog sich ein Wandel von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit der Sprache.

Es regte sich aber auch Kritik daran, dass die Schriftsprache an Genauigkeit gewonnen hatte: Um 1750 befand Jean-Jacques Rousseau in seiner Abhandlung über den Ursprung der Sprachen, dass es einer niedergeschriebenen und festen Regeln unterworfenen Sprache an Lebendigkeit mangele. (4) … So verwendete etwa Goethe Punkt und Komma noch nach Gutdünken. 1876 gab Konrad Duden zwar seinen „Versuch einer deutschen Interpunktionslehre“ heraus, führte dabei jedoch keine weiteren neuen Satzzeichen ein.

Dabei scheint schon lange vorher Bedarf an größeren Ausdrucksmöglichkeiten bestanden zu haben. (5) … In der Philosophie, glaubte er, könnten solche durchaus nützlich sein. (6) … Die extreme Verknappung der schriftlichen Kommunikation mittels Kurznachrichten verlangt anscheinend wieder nach einer Simulation von Mündlichkeit. Der Erfolg der Emojis, die zunächst noch aus Satzzeichen wie :( bestanden, entspringe dem Wunsch, Affekte in geschriebene Sprache zu überführen. Was wir derzeit erleben, ist quasi die Rückkehr des Mündlichen ins Schriftliche - Phase drei.

Sätze

  • a) Bereits 1762 bemängelte der Gelehrte Johann Christoph Gottsched, dass es im Deutschen keine Zeichen für Staunen oder Mitleid gebe.
  • b) Dabei konnte damals von verbindlichen Normen noch gar keine Rede sein.
  • c) Das beklagen selbst die leidenschaftlichsten Verfechter von Kurznachrichten.
  • d) Erst im Mittelalter kamen irische Mönche auf die Idee, diese Textschlangen mit Zeichen zu versehen, um anderen Lesern das Leben einfacher zu machen.
  • e) Erst viel später – mit den neuen Medien – ging dieser langgehegte Wunsch in Erfüllung.
  • f) In ihr reiht sich Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort.
  • g) Rund 2500 Jahre nach den ersten Schriftzeichen trennen darin erstmals Striche und Punkte die Worte.
  • h) Um dies zu verstehen, muss man die Arbeitsweise in den mittelalterlichen Schreibstuben beachten.

Die Hamburger-Hypothese

Die Hamburger-Hypothese

Beispiel (0): Weil der Burger eine amerikanische Ikone ist, haben in der Vergangenheit etliche US-Städte Anspruch auf die Vaterschaft erhoben.

„Heißen Leute aus Hamburg wirklich Hamburger?“ Jeder Hanseat, der die Vereinigten Staaten bereist, muss sich diese Frage früher oder später stellen lassen. Anders als bei den angelsächsischen Leihwörtern Frankfurter (Würstchen), Dresdner (Porzellan) oder Holsteiner (gefleckte Kuh) ist beim Hamburger jedoch weitgehend unklar, warum er heißt, wie er heißt - und wer ihn erfunden hat.

(0) … Das Städtchen Seymour in Wisconsin etwa verweist stolz darauf, der Imbiss-Betreiber Charlie Nagreen habe anlässlich einer örtlichen Messe 1885 die weltweit ersten flachgedrückten Fleischbällchen serviert. Eine ähnliche Geschichte tischt die Gemeinde Hamburg (Bundesstaat New York) der Öffentlichkeit auf: (1) … Dokumente, die das beweisen, haben Hamburg und Seymour bislang allerdings ebenso wenig vorlegen können wie zahlreiche weitere Städte, die sich ebenfalls rühmen, den ersten Burger gebraten zu haben.

(2) … Bereits 50 Jahre zuvor kannte man das Hamburg Steak, das der Vorläufer des Hamburgers gewesen sein dürfte. In New Yorks einstmals feinstem Restaurant Delmonico's soll bereits 1834 ein solches auf der Karte gestanden haben - wofür es viele Sekundärquellen, aber leider keinen direkten Beleg gibt.

Als gesichert gilt hingegen, dass das Hamburg Steak Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA ein gängiges Gericht war. (3) … „Man gebe es zweimal durch die Schneidemaschine und salze es leicht. Mitunter füge man etwas gezuckerten Speck hinzu, um den Geschmack zu verbessern. Das beste Hamburg kommt aus magerem Fleisch der Hüfte“, heißt es etwa in der Cyclopedia of American Agriculture aus dem Jahr 1908. In einer Rezeptsammlung von 1911 ist das Hamburg Steak hingegen eine zu Kugeln geformte Hackmasse, die in Semmelbröseln gewendet wird. (4) … Das Oxford English Dictionary von 1802 definierte Hamburg Steak seinerzeit schlicht als gepökeltes Rindfleisch. Es ist durchaus plausibel anzunehmen, dass die Hunderttausende von Auswanderern, die über die Hansestadt in die USA verschifft wurden, das mit Salz haltbar gemachte Fleisch als Proviant mit sich führten. Die Verpflegung an Bord war miserabel, zumindest für die weniger betuchten Zwischendeck-Passagiere. (5) … Was lag da näher, als es in Streifen oder Stücke zu schneiden und diese - mangels Teller und Besteck - zwischen zwei Scheiben Brot zu klemmen? Wurde der Hamburger so vielleicht aus der Not geboren, als Reiseproviant armer Leute?

(6) … Die Immigranten-Notverpflegung wäre dann zwischenzeitlich bei Delmonico's zum Gourmet-Schmankerl der US-Oberschicht aufgestiegen, um hundert Jahre später bei McDonald's und Burger King wieder das zu werden, was sie vielleicht einst war: unkomplizierter Proviant für zwischendurch.

Sätze

  • a) Beweisen lässt es sich zwar nicht, aber dass der Hamburger an Bord eines Auswandererschiffs erfunden wurde, ist bislang die wahrscheinlichste Annahme.
  • b) Diese beiden Beispiele zeigen, dass gehacktes oder geschnetzeltes Fleisch wohl generell als Hamburg bezeichnet wurde.
  • c) Diese besagt, dass die aus dieser Stadt stammenden Brüder Frank und Charles Menches Ende des 19. Jahrhunderts den Burger erfunden haben sollen.
  • d) Ebenso liegt die Vermutung nahe, dass ein Ort namens Hamburg dem Burger seinen Namen gab.
  • e) In vielen amerikanischen Kochbüchern aus dieser Zeit findet man Rezepte für seine Zubereitung.
  • f) Kochen war dort vermutlich schwierig – doch pur und ohne Beilagen schmeckte das zähe Pökelfleisch nicht besonders.
  • g) Noch immer wird der Name Hamburger oft irrtümlich auf das Wort ham (Englisch für Schinken) zurückgeführt.
  • h) Tatsächlich wurde wohl in keiner dieser Städte der erste Burger serviert, denn ein ähnliches Gericht gab es schon früher.

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